Deutsches Erbrecht
Deutsches Erbrecht (Praxisleitfaden)
Auf einen Blick: Auf dieser Seite werden die wichtigsten Aspekte des deutschen Erbrechts erläutert: Erbfolge, Ehegattenanteile, Testamente, Testamentsvollstrecker und das Pflichtteil (Zwangsaktien). Für die steuerliche Behandlung, Beispiele und Hilfsmittel, siehe unsere Leitfaden zur deutschen Erbschaftssteuer, die Taschenrechner, und der realen Welt Fälle. Sie brauchen praktische Unterstützung? Erkunden Sie unser spezielles Deutscher Erbschaftssteuer-Service.
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Das deutsche Erbrecht in Kürze
Das deutsche Recht sieht eine weitgehende Testierfreiheit vor, enthält aber auch Schutzmechanismen wie die Pflichtteil. Bei kleinen Nachlässen kann die Verwaltung einfach sein, aber bei internationalen Vermögenswerten, Unternehmen oder Konflikten ist oft eine professionelle Testamentsvollstreckung und Planung erforderlich.
Wer erbt, wenn es kein Testament gibt (unbewegliche Erbfolge)
Deutschland folgt einer “Erbenordnung”; nähere Verwandte schließen entferntere Verwandte aus:
- Erste Bestellung: Nachkommen (Kinder, Enkelkinder). Kinder erben zu gleichen Teilen; vorverstorbene Kinder werden durch ihre eigenen Nachkommen vertreten.
- Zweite Bestellung: Eltern und deren Nachkommen (Geschwister, Nichten/Neffen), wenn keine Erben der ersten Ordnung vorhanden sind.
- Dritte Bestellung: Großeltern und deren Nachkommen, wenn es keine höhere Ordnung gibt.
Der Ehegatte oder eingetragene Partner erbt neben diesen Verfügungen; der Anteil hängt von den vorhandenen Verwandten und dem Güterstand ab.
Der Ehegattenanteil und der eheliche Güterstand
Unter der Standardregelung (Zugewinngemeinschaft):
- 1/2 des Nachlasses an den Ehegatten, wenn Abkömmlinge vorhanden sind (die andere Hälfte zu gleichen Teilen an die Kinder).
- 3/4 wenn es nur Erben der zweiten Ordnung (Eltern/Geschwister) gibt.
- Alle wenn keine Erben der ersten oder zweiten Ordnung und keine Großeltern vorhanden sind.
Verschiedene Regime (Gütertrennung / Gütergemeinschaft) oder vertragliche Vereinbarungen können die Ergebnisse verändern.
Was Sie durch Testament oder Erbvertrag regeln können
Gängige Instrumente sind das handschriftliche Testament, das notarielle Testament, das gemeinschaftliche Ehegattentestament (oft das “Berliner Testament”) und Erbverträge (Erbvertrag). Sie können:
- Erben ernennen und deren Anteile festlegen.
- Machen Sie bestimmte Vermächtnisse (Vermächtnisse) von Vermögenswerten (z. B. Immobilien, Wertpapiere, Kunst).
- Bedingungen oder Anweisungen auferlegen (Auflagen).
- Erstellen Sie aufeinanderfolgende Vererbungen (Vor- und Nacherbschaft).
- Schließen Sie die gesetzlichen Erben aus oder tauschen Sie Anteile aus, vorbehaltlich der Vorschriften über Zwangsanteile.
- Ernennung eines Testamentsvollstreckers (Testamentsvollstrecker), um den Nachlass zu verwalten oder zu verteilen.
Der Zwangsanteil (Pflichtteil)
Kinder (auch adoptierte), der Ehegatte/eingetragene Lebenspartner und - falls es keine Nachkommen gibt - die Eltern sind zwangsläufig begünstigt. Die Pflichtteil ist ein Geldforderung gegen die Erben in Höhe der Hälfte des Erbanteils. Die Erben haben einen Anspruch auf Auskunft und Wertermittlung; bestimmte Schenkungen zu Lebzeiten innerhalb von Rückwirkungsfristen können den Anspruch erhöhen. Die vollständige Enterbung eines Pflichtteilsberechtigten ist nur in engen gesetzlichen Fällen möglich.
“Berliner Testament” (Ehegattengemeinschafts-Testament)
In der Regel setzen die Ehegatten den Überlebenden zum Alleinerben und die Kinder zu Schlusserben nach dem Tod des Überlebenden ein. Vorteile: Einfachheit für den Überlebenden. Nachteile: potenziell Pflichtteil Ansprüche nach dem ersten Todesfall und weniger Flexibilität; das Steuerrisiko kann steigen. Bindende Klauseln sind häufig - Ausnahmeregelungen helfen, Flexibilität zu bewahren.
Wenn Sie einen Testamentsvollstrecker brauchen
Die Ernennung eines Testamentsvollstreckers ist ratsam, wenn es minderjährige oder schutzbedürftige Begünstigte gibt, wenn Konflikte zu erwarten sind, wenn ein Unternehmen, komplexe Immobilien oder internationale Vermögenswerte vorhanden sind oder wenn eine stufenweise Verteilung gewünscht wird. Überlegen Sie, ob Sie einen Testamentsvollstrecker für eine kurzfristige Verteilung oder für eine langfristige Verwaltung einsetzen wollen, und legen Sie im Testament Regeln für die Vergütung/Ersatzleistung fest.
Brauchen Sie professionelle Unterstützung? Für grenzüberschreitende Nachlässe können Sie unsere Partnerdienste in Anspruch nehmen internationale Testamentsvollstreckung (executorship). Wenn die Nachfolgeplanung Strukturen zum Schutz des Vermögens umfasst, siehe Gründungsstrukturierung und Stiftungsmanagement. Für Steuererklärungen und Strategien nutzen Sie unsere Deutscher Erbschaftssteuer-Service.
Erbengemeinschaft (Erbengemeinschaft)
Mehrere Erben bilden bis zur Teilung eine gesetzliche Gemeinschaft. Viele Entscheidungen erfordern Einstimmigkeit, was zu einer Pattsituation führen kann. Testamente verringern häufig die Reibungsverluste, indem sie einen Testamentsvollstrecker ernennen, einen Haupterben mit Ausgleichsvermächtnissen bestimmen oder Veräußerungs-/Teilungsbefugnisse einräumen.
Annahme oder Ausschlagung einer Erbschaft
Die Erbfolge tritt automatisch mit dem Tod ein. Die Erben können ausschlagen (Ausschlagung) innerhalb strenger Fristen - in der Regel sechs Wochen ab Kenntnis des Erbfalls (sechs Monate, wenn der Erblasser oder der Erbe im Ausland war). Erfolgt keine rechtzeitige Ausschlagung oder Haftungsbeschränkung, können die Erben persönlich für Nachlassschulden haften; durch rechtzeitige Nachlassverwaltung oder Insolvenzinstrumente kann die Haftung begrenzt werden.
Verlassenschaft, Urkunden und Verfahren
Institutionen verlangen oft einen Nachweis. Übliche Dokumente: Erbschein (Erbschein), ein notarielles Testament mit Eröffnungsprotokoll oder ein EU-Erbschein (für teilnehmende Staaten). Immobilienübertragungen müssen auf der Grundlage eines solchen Nachweises registriert werden.
Grenzüberschreitende Situationen
In den meisten Ländern der EU gilt nach der EU-Erbrechtsverordnung das Recht des letzten gewöhnlichen Aufenthalts des Erblassers, es sei denn, der Erblasser hat testamentarisch sein nationales Recht gewählt. Die Koordinierung des anwendbaren Rechts, der Bescheinigungen und der Steuern ist für im Ausland lebende Personen oder Familien mit Vermögenswerten in mehreren Ländern unerlässlich.
Zur steuerlichen Behandlung und zu Abkommensvergünstigungen siehe: Deutsche Erbschaftsteuer für ausländische Staatsbürger, für U.S.-Bürger, und unsere grenzüberschreitenden Leitfäden: Deutschland-Schweiz, Deutschland - Südkorea, Deutschland-Japan, Deutschland-UK, Deutschland-Irland.
Typische Planungsklauseln und Tipps
- Klärung des Verhältnisses zwischen Erben und Vermächtnisnehmern; Bereitstellung von Ausweichmöglichkeiten.
- Nutzung von Immobilien, Verkaufsbefugnisse und Buy-out-Rechte; Gewährleistung der Geschäftskontinuität.
- Balance zwischen “Berliner Wille” und Pflichtteil Abmilderung (Nichtanfechtungsklauseln, gestaffelte Schenkungen, Versicherungen für Geldforderungen, strukturierte Vermächtnisse).
- Ziehen Sie einen Testamentsvollstrecker in Betracht und erteilen Sie ihm klare Vollmachten; legen Sie Vergütung und Vertretung fest.
- Verwenden Sie gegebenenfalls Strukturen zum Schutz von Vermögenswerten; siehe Gründungsstrukturierung und Stiftungsmanagement.
Erbschaftssteuer (kurze Anmerkung)
Deutschland erhebt eine Erbschaftssteuer mit progressiven Steuersätzen und großzügigen persönlichen Freibeträgen, die sich nach Verwandtschaftsgrad und Wert richten. Informationen zu Steuersätzen, Freibeträgen, Abkommensvergünstigungen und Beispielen finden Sie auf der Website Leitfaden zur deutschen Erbschaftssteuer, die Taschenrechner, und Fallstudien. Umfassende Unterstützung erhalten Sie in unserem Deutscher Erbschaftssteuer-Service.
Schnell-Checkliste
- Entscheiden Sie, wer erben soll (und wer nicht); fügen Sie Ersatzbegünstigte hinzu.
- Planen Sie Liquidität für potenzielle Pflichtteil Ansprüche (z. B. Versicherungen oder Geldvermächtnisse).
- Ziehen Sie die Ernennung eines Testamentsvollstreckers in Betracht - insbesondere bei Minderjährigen, Unternehmen, Konflikten oder internationalem Vermögen (internationale Testamentsvollstreckung).
- Koordinierung des grenzüberschreitenden Rechts- und Steuerwesens; siehe die entsprechenden Länderleitfäden oben.
- Das Testament korrekt errichten; nach wichtigen Lebensereignissen überprüfen.
Nächster Schritt: Besprechen Sie Ihre Situation mit einem Spezialisten. Bei komplexen oder internationalen Nachlässen sollten Sie Testamentsklauseln, Testamentsvollstreckung und Steuern frühzeitig abstimmen, um spätere Streitigkeiten und Doppelbesteuerung zu vermeiden.
Haftungsausschluss: Dieser Überblick fasst typische Regeln des deutschen Rechts und der gängigen Praxis zusammen. Die Ergebnisse hängen vom Sachverhalt (Familie, Güterstand, Vermögen, Schulden) und der aktuellen Gesetzgebung/Rechtsprechung ab.
Verwandte Ratgeber: Deutsche Erbschaftsteuer - Überblick - Ausländische Staatsbürger - U.S. Bürger - Steuerrechner - Fallstudien
Häufig gestellte Fragen zum deutschen Erbrecht:
ℹ️ Klicken Sie auf eine Frage, um die Antwort zu sehen:
➕ Welches Gesetz gilt für einen Nachlass mit deutschem Bezug?
Für Todesfälle am oder nach dem 17. August 2015 wendet die EU-Erbrechtsverordnung generell das Recht des Heimatlandes des Erblassers an. gewöhnlicher Aufenthalt auf den gesamten Nachlass (weltweit), es sei denn, der Erblasser hat eine gültige Rechtswahl für ihre Nationalität (z.B. “Ich wähle deutsches Recht” / “Ich wähle amerikanisches Recht”). Die Besteuerung ist nicht durch diese Verordnung geregelt.
➕ Wird ein US-amerikanisches (oder anderes ausländisches) Testament in Deutschland anerkannt?
Häufig ja. Deutschland erkennt in der Regel Testamente an, die den anerkannten Formvorschriften entsprechen (z.B. notarielle Urkunden; einige handschriftliche Testamente sind nach deutschem Recht ebenfalls gültig). Für die Verwendung in Deutschland benötigen Sie in der Regel beglaubigte Übersetzungen, an Apostille/konsularische Legalisation, falls zutreffend, und - falls Banken/Grundbuchämter dies verlangen - entweder die ausländische Erlaubnis oder eine deutsche Erbschein (Erbschein).
➕ Was ist ein Erbschein und wann brauche ich eine?
Eine Erbschein ist eine von einem Gericht ausgestellte Bescheinigung, die beweist wer die Erben sind und ihre Anteile. Sie wird häufig angefordert von Deutsche Banken und Grundbuchamt. Sie kann überflüssig sein, wenn ein notarielles deutsches Testament die Erben eindeutig identifiziert und die Institutionen es akzeptieren; viele Institutionen bestehen jedoch immer noch auf den Erbschein.
➕ Wie funktioniert die gesetzliche Erbfolge in Deutschland?
Ohne ein Testament folgen die Erben dem Gesetz Reihenfolge der Erbfolge(1) Nachkommen; (2) Eltern und deren Nachkommen (Geschwister); (3) Großeltern und deren Nachkommen, usw. Die Anteil des Ehepartners hängt vom ehelichen Güterstand und den Miterben ab: mit Kindern, typischerweise ¼ (oft erhöht um eine weitere ¼ unter dem Standardehe-Regime, siehe unten).
➕ Wie wirkt sich der eheliche Güterstand auf das Erbe des Ehepartners aus?
Unter der Standardregelung (Zugewinngemeinschaft), ist der Erbteil des überlebenden Ehegatten in der Regel um ¼ erhöht um die aufgelaufenen Gewinne auszugleichen, was zu ½ wo Kinder auch erben. Alternative Regime (Gütertrennung, Gütergemeinschaft) können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen; Verträge müssen überprüft werden.
➕ Was ist der deutsche "Pflichtteil" und wer kann ihn beanspruchen?
"Der "Pflichtteil" schützt nahe Verwandte vor der vollständigen Enterbung. Zu den berechtigten Personen gehören die Ehepartner/eingetragener Partner, Kinder (und Enkelkinder, falls ein Kind vorverstorben ist), und Eltern wenn es keine Nachkommen gibt. Der Anspruch ist ein Geldforderung gleich ½ des gesetzlichen Erbschaftsanteils.
➕ Wie wird der Pflichtteil berechnet, und zählen Schenkungen auf Lebenszeit?
Pflichtteil basiert auf dem Nettovermögenswert. Bestimmte Schenkungen zu Lebzeiten können degressiv angerechnet werden (Pflichtteilsergänzung), in der Regel über einen Zeitraum von bis zu 10 Jahre. Genaue Bewertung und Dokumentation sind bei Streitigkeiten entscheidend.
➕ Kann ich einen Zwangserben ausschließen oder das Pflichtteil vermeiden?
Ein vollständiger Ausschluss ist nur möglich in Enge gesetzliche Fälle (z.B. bei schwerem Fehlverhalten). Andernfalls ziehen Sie eine notarieller Verzicht (Pflichtteilsverzicht) zu Lebzeiten - oft gegen eine Entschädigung - oder Strukturen, die das Risiko verringern (z.B. Begünstigungen in Lebensversicherungen, Stiftungen, sorgfältig abgefasste Eheverträge).
➕ Was ist eine Erbengemeinschaft und warum verursacht sie Reibung?
Wenn mehrere Erben vorhanden sind, bilden sie eine Erbengemeinschaft die den Nachlass bis zur Teilung gemeinsam besitzt. Viele Entscheidungen erfordern Einstimmigkeit, was zu einer Blockade führen kann. Zu den Instrumenten gehört die Ernennung eines Testamentsvollstrecker, die Verwendung von Ausstiegsklauseln oder die gerichtliche Aufteilung, wenn der Konsens scheitert.
➕ Wie und bis wann schlage ich eine Erbschaft aus?
Der Verzicht muss erklärt werden formell vor dem zuständigen deutschen Nachlassgericht (oder notariell beglaubigt und zugesandt) innerhalb von sechs Wochen des Lernens der Abfolge und der Ursachesechs Monate wenn der Erbe im Ausland wohnt oder der Erblasser im Ausland verstorben ist. Das Versäumen der Frist bedeutet in der Regel eine Annahme von Rechts wegen.
➕ Ist ein gemeinsames Ehegattentestament (Berliner Testament) gültig und was sind die Fallstricke?
Das Berliner Testament (jeder Ehegatte macht den anderen zum Alleinerben; die Kinder erben den Überlebenden) ist weit verbreitet und allgemein gültig. Aber Vorsicht: Kinder können das Zwangsaktie beim ersten Todesfall; spätere Änderungen können eingeschränkt mit bindender Wirkung, sofern nicht ausdrücklich vorbehalten.
➕ Können unverheiratete Partner erben? Was ist mit eingetragenen Partnern oder gleichgeschlechtlichen Ehegatten?
Unverheiratete Partner haben keine automatische Erbrechte; ein Testament ist unerlässlich. Eingetragene Partner (und gleichgeschlechtliche Ehen) werden nach geltendem Recht für Erbschaftszwecke wie Ehegatten behandelt, vorbehaltlich der geltenden Regelung und des Zeitplans.
➕ Was passiert, wenn Minderjährige erben - wer verwaltet das Vermögen und kann es verkauft werden?
Eltern/Erziehungsberechtigte verwalten das Erbe eines Minderjährigen in der Regel unter Aufsicht. Bestimmte Transaktionen (z.B. der Verkauf von Immobilien oder Unternehmensanteilen) erfordern oft familiengerichtliche Genehmigung. Testamente können ernannt werden Testamentsvollstrecker oder Treuhänder bis zu einem bestimmten Alter zu verwalten.
➕ Welches Gericht ist für den deutschen Nachlass zuständig und wie lange dauert das Verfahren?
Die Nachlassgericht (Nachlassabteilung des Amtsgerichts) am letzten deutschen Wohnsitz des Erblassers ist in der Regel zuständig; andernfalls können der Ort des Eigentums oder besondere Regeln gelten. Die Fristen variieren stark - von Wochen bis zu vielen Monaten - je nach Komplexität, Streitigkeiten und Übersetzungen/Apostillen.

